„Doing Gender by Doing Therapy“

Überlegungen zu einer gendersensiblen Gestalttherapie mit frauenspezifischem Fokus

Zusammenfassung

Bei diesem Text handelt es sich um eine Darstellung und Weiterführung meiner Überlegungen, wie ich sie im Rahmen der Podiumsdiskussion zum Thema Gender bei der Laura-Perls-Tagung in München im Juni 2005 formuliert habe. Mein Beitrag soll Therapeutinnen anregen, nicht nur darüber nachzudenken, wie unsere Klientinnen als Frauen und Männer fühlen und handeln und deren soziokulturelle Einbettung in den Blick zu nehmen. Ich möchte vielmehr einladen unseren Focus auch darauf zu richten, wie wir Therapeutinnen selbst, geprägt durch unser sozialkulturelles Umfeld, unsere Geschlechtsrollen als Frauen und Männer leben (»doing-gender«) und wie diese unsere Auffassungen von uns als Frauen und Männern im therapeutischen Prozess auf die Auffassungen von unseren Klientinnen als Frauen und Männern treffen, sich ergänzen, widersprechen, oder — so behaupte ich — im schlimmsten Falle unreflektiert und unbesprochen bleiben — dabei aber in jedem Prozess hochwirksam sind.

Abstract

Doing gender by doing therapy. Reflections on a gender sensitive gestalt therapy with a particular focus on women. This text is further developing my thoughts on gender, which I introduced in the discussion at the Laura Peris conference in Munich in 2005. I would like to invite therapists not only to think about how our clients might feel and act as men and women and how they are embedded in the socio-cultural context, but we ourselves, how are we as therapists determined by our culture and our gender roles and how do we live them. I would further like to focus on how our own understanding matches that of our clients in the therapeutic process or clashes or — as I would maintain — remains in the worst case unreflected and is not talked about whilst in any case, it is highly evident in the therapeutic process.

Gestalttherapie 2006, 20/2 - 20. Jahrgang - Heft 2 / 2006
Seite 97 - 107