Anerkennung: Sehen und Gesehen werden

Haltung, Hoffnung, Last und Lust

Zusammenfassung

Anerkennung ist eine besonders intensive Form der zwischenmenschlichen Begegnung. Wir würdigen die Person als ganze mit ihren Eigenheiten, Impulsen, Wahrnehmungen und Hoffnungen – auch wenn wir nicht jeden dieser Impulse und jedenfalls nicht jede ihrer Handlungen billigen und unterstützen. Anerkennung ist aber auch die Anerken-nung unserer eigenen Grenzen: Wir müssen damit leben, dass wir Manches versäumt, verschuldet oder unterlassen haben, dass unsere Fähigkeiten von begrenzter Natur sind, dass wir mit Unzulänglichkeiten zu leben haben und dass unsere Lebenszeit begrenzt ist. Diese Erfahrungen begegnen uns und unseren Patienten im Alltag wie auch in der Therapie und können uns helfen, unseren Patienten gegenüber nicht nur als Exper-tinnen und Experten, sondern auch als Mitmenschen zu begegnen, die den gleichen existenziellen Herausforderungen ausgesetzt sind wie sie.

Abstract

Recognition: Seeing and Being Seen. Attitude, Aspiration, Onerousness, and Desire. Recognition is a particularly intensive mode of interpersonal encounter. We appreciate an individual as a whole for his/her idiosyncrasies, initiatives, perceptions and aspirations – even if we don’t approve of and support each of these impulses and actions. Recognition is also an acknowledgement of our own limitations: we have to face the fact that we have missed out on certain things, failed in others or are held respon-sible for yet a different set of things. Our capabilities are of a limited nature, we have to live with our deficiencies and accept that our life is finite. Both we and our patients are confronted with these experiences and they can help us to meet our patients not only as experts but also as fellow human beings, being similarly exposed to the same existential challenges.

Anerkennung - Sehen und Gesehen werden - 27. Jahrgang - Heft 2 / 2013
Seite 2 - 13