Die Wiederkehr des Bösen

Vortrag auf der DVG-Tagung vom 12.-14. 5. 1995

Zusammenfassung

Überlegungen zu einem soziologischen Bestseller, der die zeitgenössische Gesellschaft als eine “Erlebnisgesellschaft” beschrieb, werden angestellt. Vorherrschend sei, so heißt es in dem gleichnamigen Buch von Gerhard Schulze, die Orientierung an Erlebnissen, welche die einen im schlichten Konsum suchen, die anderen in den Spiralen der Selbstbeobachtung oder in den Ritualen der Selbstinszenierung und Selbstverwirklichung. Entscheidend seien die Distinktionsgewinne durch die jeweilige Art des Genusses. Die einen seien eher auf Gemütlichkeit und Harmonie fixiert, die anderen bevorzugen das Spannungsschema aus Selbstfindung und Emanzipation. Der “homo oeconomicus” vergangener Zeiten sei mutiert zum Erlebnissubjekt, das den Kampf aufgenommen hat gegen die Gefahr des Verblassens der Befriedigungsreize. Statt Ethik herrsche Ästhetik vor. Vor diesem Hintergrund werden gestalttherapeutisch orientierte Reflexionen zu einer (erwarteten) “Wiederkehr des Bösen” in der Gesellschaft angestellt.

Gestalttherapie 1995, 9/2 - 9. Jahrgang - Heft 2 / 1995
Seite 51 - 60