Ganzheitliches ‘Gespräch’, sprechender Leib, lebendige Sprache

Zusammenfassung

Der vorliegende Text setzt sich zunächst kritisch mit einem Artikel von Dickopf auseinander, der in der Nummer 17/1 (2003) der Zeitschrift ”Gestalttherapie” erschien. Darin wurde die Behauptung aufgestellt, die Sprache käme in der Gestalttherapie zu kurz, und gefordert, sie müsse in Zukunft “vor allem” beachtet werden. Der jetzige Autor verweist in seiner Kritik auf die Begründer der Gestalttherapie, denen eine lebendige, “poetische” Verwendung von Sprache (nicht nur) in der Psychotherapie ausdrücklich am Herzen lag. Er kritisiert außerdem den Versuch, die angebliche Vernachlässigung der Sprache durch deren Überbetonung zu korrigieren, da dies nicht dem ganzheitlichen Ansatz der Gestalttherapie entspricht. Im Weiteren wird versucht, mit Bezug auf neurowissenschaftliche, entwicklungspsychologische und vor allem phänomenologische Erkenntnisse die Voraussetzungen für einen integrativen Zugang zur Sprache in der Gestalttherapie zu schaffen und ihr “Inhärenzverhältnis zum Leib” (Merleau-Ponty) aufzuzeigen. Dieses Inhärenzverhältnis macht den therapeutischen Kontakt zu einem ganzheitlichen ’Gespräch’, das sich nicht nur im Austausch von Worten, sondern auch in Form einer leiblichen Begegnung manifestiert. In einem solchen ’Gespräch’ ist das Sprechen leiblich verankert und auf das jeweilige Gegenüber bezogen, es wird zur lebendigen “Kontaktsprache”, wie Perls und Goodman formulierten — einer Sprache, die im Unterschied zum reinen “Verbalisieren” den sprechenden Menschen mit sich und seiner menschlichen Umwelt verbindet. Die von Perls beschriebene “Schweiftechnik“ ist eine bewährte Methode, KlientInnen in diese Richtung zu unterstützen.