Spiritualität, Religion und Mystik

Zusammenfassung

Der Mensch ist im Gegensatz zu anderen Tieren bewusst mit Vergänglichkeit und Tod konfrontiert. Der Autor setzt sich im Rahmen eines Symposiums zum Th ema Spiritualität und Wissenschaft damit auseinander, dass Sprache, Zeitbewusstsein und Vernunft den Menschen mit Fragen nach dem Lebenssinn und seinem begrenzten Einfluss auf sein Schicksal konfrontieren. Spiritualität ist für ihn als ›Reflexion zweiter Stufe‹ eine Antwort auf diese Fragen. Religion und Mystik stellen zwei verschiedene Begründungen von Spiritualität dar: Religion projiziert das Bedürfnis nach Sinn und Einfluss auf ein transzendentes göttliches Wesen. Die Mystik hingegen geht von einer Selbstrelativierung des Menschen in der Verbundenheit mit dem All-Einen aus. Dies hat auch Konsequenzen für die Begründung von Moral, die in der Religion als »willkürliches « Gebot »gottgegeben« akzeptiert werden muss, in der All-Einheit und Selbstrelativierung der Mystik aber bereits inhärent vorhanden ist.

Abstract

Spirituality, Religion, and Mysticism. Man in contrast to other animals is consciously confronted with death and transience. In the context of a symposium on spirituality and science the author explores how language, awareness of time and mind expose man to questions related to the meaning of life and the limited infl uence on fate. Religion and mysticism represent two different concepts of spirituality: Religion projects the longing for meaning and infl uence onto a transcendent divine being. Mysticism on the other hand talks about the self-relativisation of man in interrelated-ness with the All-encompassing. Consequentially, the substantiation of morality is for religion an arbitrary command-ment which has to be accepted as »God-given« whereas it is already inherently contained in the All-encompassing unity andself relativisation of Mysticism.

Spiritualität und Ethik - 26. Jahrgang - Heft 2 / 2012
Seite 2 - 12