Sprachgestalten – Gestaltsprachen

Über den Stellenwert der verbalen Kommunikation in der Gestalttherapie

Zusammenfassung

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Diese Allerweltsweisheit gilt auch für die Gestalttherapie. Ihre unleugbare Stärke liegt neben der Konzentration auf den Kontakt zwischen KlientIn und TherapeutIn und der Achtsamkeit für das, was hier und jetzt in diesem Kontakt geschieht, in der Sensibilität für die nonverbale Kommunikation, in der Wachsamkeit des Therapeuten auf die Körpersprache. Doch dabei gerät nicht selten der Sprachkörper, die verbale Kommunikation aus dem Blick. Wichtig für einen gelingenden therapeutischen Prozess ist es aber, nicht bloß Auge für die Körpersprache des Gegenübers zu sein, sondern auch Ohr für die Sprache, die Wortwahl, seine respektive ihre persönliche Sprachmelodie. Die Sprache bietet nicht nur reichlich Material für das gestalttherapeutische Experiment zur Einübung von Veränderung, mit ihrer Hilfe lässt sich Veränderung zu allererst denken. Auch hier gilt: Im Anfang war – und bleibt – das Wort. Diese Einsicht sollte auch für den Umgang von GestalttherapeutInnen mit den eigenen Sprach-Spielen bestimmend sein.

Abstract

Language in Gestalt therapy. About the emphasis of verbal communication in Gestalt therapy. Where there is light, there is darkness. This truth also holds for Gestalt therapy. Its undeniably strengths lies not only on focussing on the contact between client and therapist and awareness of the here and now, but also on sensitivity to nonverbal communication and body language. However, this does sometimes lead to loosing sight of the “language body”, of verbal communication. It is important to a successful therapeutic process to not only have an eye for the body language of the client, but also to “have an ear” for the language the client uses, the very particular words and very personal vocal modulations. Language provides the material for the therapeutic experiment as it is the means which allows for change to thought of. It is also true in this field: at the beginning was the word. This insight should guide Gestalt therapists when reflecting on their own use of and play with language.

Gestalttherapie 2003, 17/1 - 17. Jahrgang - Heft 1 / 2003
Seite 64 - 82